von Christop Frank
Am Samstag, den 16.05.2025, stand ich am Ledrosee in Italien am Start des Ledro Trails. Geplant waren ursprünglich 43,54 Kilometer mit 2.372 Höhenmetern. Doch die Tage davor hatte es 20 cm Neuschnee auf den Gipfeln gegeben, weshalb die Strecke kurzfristig angepasst wurde. Am Ende warteten 40,23 Kilometer und 2.483 Höhenmeter auf uns, immer noch anspruchsvoll genug. Der Startschuss fiel wie geplant um 10:30 Uhr direkt am Ufer des Ledrosees.
Der Beginn war angenehm locker, perfekt zum Reinkommen. Doch schon der erste kurze, aber knackige Anstieg zeigte, dass der Tag kein Spaziergang werden würde. Im anschließenden leichten Downhill passierte mir dann ein Missgeschick: Beim Sprung über einen größeren Stein landete ich unglücklich auf der Kante, knickte um und schlug hart auf dem Boden auf. Der Knöchel schmerzte, das Knie war offen und der Ellenbogen angeschlagen. Zum Glück ließ der Schmerz schnell nach, aber ein anderes Problem blieb: Meine Flask hatte sich geöffnet und mein komplettes Kohlenhydratgetränk war ausgelaufen.
Damit stand ich früh vor einer wichtigen Entscheidung. Für die ersten 16 Kilometer blieb mir nur ein halber Liter Wasser. Zum Glück hatte ich genügend Gels dabei. Also nahm ich die geplanten 110 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde über Gels auf, mit etwas zu wenig Flüssigkeit und dem leichten Risiko, dass der Magen rebelliert. Zum Glück ging das gut.
Die ersten 10 Kilometer führten über rund 1.100 Höhenmeter hinauf, der letzte Kilometer davon bereits über Schnee. Oben angekommen, begann der erste Downhill: rutschig, technisch, anfangs langsam, später laufbar und schnell. Hier lag ich auf Platz drei, die Beine fühlten sich gut an und der Kopf war klar.
Bei Kilometer 16 erreichte ich die erste Verpflegungsstation. Ich füllte meine Flasks. Eine mit Wasser und eine mit Cola, um die Kohlenhydrate wieder flüssig aufzunehmen. Bis zur nächsten Station bei Kilometer 22 passierte nicht viel. Dort wartete meine Crew, sodass der Wechsel schnell ging: Flasks tauschen, neue Gels einpacken, zwei Löffel Reis essen und weiter.
Nun stand der zweite große Anstieg an: Knapp 800 Höhenmeter auf rund 11 Kilometern, deutlich laufbarer als der erste. Ich versuchte, konstant Druck zu machen, das Tempo hochzuhalten und mein eigenes Rennen zu laufen. Die Strecke führte über schmale Waldtrails, offene Hänge und immer wieder kurze Rampen, die Kraft kosteten, aber gut liefen.
Oben angekommen lagen noch etwa 9 Kilometer Downhill vor mir. Technisch, rutschig und mit kurzen giftigen Gegenanstiegen. Meine Beine fühlten sich hervorragend an, auch mental war ich voll da, wissend, dass ich weiterhin auf Platz drei lag. An der letzten Verpflegungsstation füllte ich noch einmal Wasser und Kohlenhydrate auf und ging in den finalen Abschnitt. Ich holte alles aus mir heraus.
Im Ziel angekommen, bestätigte mir meine Crew sofort, dass ich Platz drei verteidigt hatte. Podest! Ein großartiger Moment. Als ich erfuhr, dass mir auf Platz zwei nur zehn Sekunden gefehlt hatten, wurmte mich das kurz, denn solche Kleinigkeiten kann man immer irgendwo finden. Doch die Freude überwog schnell: Mit dem dritten Platz, bester Deutscher und einer Zielzeit von 4:04:48 bin ich sehr zufrieden.
Das Event war hervorragend organisiert, die Strecke wunderschön und abwechslungsreich. Ein rundum gelungener Tag.
Ein großes Dankeschön geht an meine Crew (Florian & Saskia), meinen Trainer Lars Schweizer sowie meine Unterstützer: Mammut, Heart and Sole Stuttgart, Neversecond, Petzl, SchwörerHaus, Allianz Preusch & Team, Deutsche Vermögensberatung, Clever Fit Pfullingen und meinen Verein TSV Genkingen.



