Der Julian Alps Trail Run by UTMB (~122 km / ~5.800 Hm) in den atemberaubenden Kulissen von I Feel Slovenia ist geschafft – und mit Platz 10 über dem Zielstrich in Kranjska Gora fühlte sich dieses Finish nach allem an, nur nicht nach einem gewöhnlichen Wettkampf. Es war mein bisher längstes und härtestes Rennen.

​Der Start in Radovljica und der schnelle Auftakt

​In der historischen Altstadt von Radovljica fiel um 21:00 Uhr der Startschuss. Wie so oft bei den großen UTMB-Events packte mich die Dynamik des Feldes. Über die ersten Wellen Richtung Talež Lodge und Kupljenik ging es verdammt schnell los. Die Beine rollten, die Luft war voller Adrenalin und der Rhythmus fühlte sich überraschend leicht an. Doch wenn man über 120 Kilometer vor sich hat, fordert ein zu hohes Anfangstempo irgendwann seinen Tribut.

​Durch die Nacht: Technisch, brutal und ordentlich gefühlt

​Die Nacht spuckte uns direkt in die technisch extrem anspruchsvollen Passagen rund um Bohinjska Bela und den Uferweg am Bled-See. Geröll, steile Anstiege und wurzelige Singletrails verlangten bei jedem Schritt volle Konzentration. Dennoch: Auf dem Weg zur großen Verpflegungsstation in Žirovnica (ca. Km 57) fühlte ich mich ordentlich und richtig gut. Der Atem saß, die Motivation war hoch und ich kämpfte mich konstant nach vorne.

​Der Sonnenaufgang am Mt. Stol: Ein mentales Tief, aber nicht unüberwindbar

​Beim langen Anstieg hinauf zum Mt. Stol (über 2.100 m) mit seinen steilen Rampen zog auf dem Karawanken-Grat dichter, undurchdringlicher Nebel auf. Als das erste Licht durch die Wolken brach, stellte sich beim Übergang zur Prešernova koča und über das Sedlo Suha eine mentale Schwäche ein. Es war zwar ein mentales Loch – aber kein absolut brutales, aus dem es kein Entkommen gab. Die Gedanken wurden schwer und die Sicht im Nebel zäh, doch der Kopf blieb im Spiel.

Die Rettung an den Ladestationen: Timo, Michael & Matthias

​Genau an diesem Punkt bewahrheitete sich wieder einmal: Ultra-Running ist ein Teamsport. Das Erreichen der Verpflegungsstationen in Mojstrana und Dovje war mein Anker. Genau dort warteten Timo Kuhn, Michael Kleih und Matthias List.

​Ihre Ruhe, das perfekte Timing an den Support-Zonen, das flinke Wechseln der Flasks und genau die richtigen Worte im richtigen Moment haben mich schnell wieder auf Kurs gebracht. Ohne dieses Crew-Trio an den Ladestationen wäre der Weg zurück in den Flow deutlich schwerer gewesen. Danke euch – ihr seid die absoluten Profis!

​Ebenso unbezahlbar war der Support von Zuhause: Das Wissen, dass am Live-Tracker jede Zwischenzeit mitgefiebert, gedrückt und gehofft wurde, hat mich schrittweise wieder aufgerichtet.

Der Trott im Tal und der Finish-Sprint

​Beim Abstieg ins Tal Richtung Gozd Martuljek und auf den flacheren Kilometern vor dem Schlussanstieg nach Srednji Vrh fand ich langsam wieder meinen Rhythmus. Es war kein spektakulärer Anfall von Leichtigkeit mehr, sondern ein stures, solides Rollen in meinem ganz eigenen Trott. Kilometer um Kilometer fraß ich mich voran.

​In Kranjska Gora nach 15:14:04 Stunden über die Ziellinie zu laufen und am Ende Platz 10 in der Gesamtwertung sowie den 4. Platz in der Altersklasse einzutüten, macht mich nach all den Höhen und mentalen Tälern extrem stolz.

Außerdem geht ein großes Dankeschön an meinen Trainer Lars Schweizer sowie meine Unterstützer: Mammut, Heart&Sole Stuttgart, Neversecond, Petzl, SchwörerHaus, Allianz Preusch & Team, Deutsche Vermögensberatung, Clever Fit Pfullingen und meinen Verein TSV Genkingen.“

Asics Blazeblast - Herren